Chronik der Mariengrotte

Freiwillige Helfer an der Mariengrotte

Schwer lastete die Naziherrschaft und die Kriegszeit auf Horbach. Die Angst wuchs um so mehr, als die deutschen Truppen sich zurückziehen mussten. Im Jahre 1938 war von Büdingen bis Aschaffenburg eine Bunkerlinie gebaut worden, sie war als letzte Verteidigungslinie gegen den Westen gedacht. Fünf Bunker lagen nahe am Ortsrand. Als die Front immer näher kam und die Angst ins Unheimliche wuchs, entstand der Gedanke, gefördert von dem damaligen Kaplan Aloys Schön, der Muttergottes eine Grotte zu bauen, wenn durch ihren Schutz das Dorf von einem bösen Ende bewahrt würde. Niemand, der sie mitgemacht hat, wird die Karwoche 1945 vergessen. Schrecken, Hoffnung und Verzweiflung lösten sich ab. Schon glaubte man, dem Kriegslärm enthoben zu sein, als in der Mitte der Karwoche doch noch, neben müden Landwehrmännern, einige scharfe SS-Kerle die Bunker besetzten. Die feindlichen Panzergeschütze bellten in die Gegend und setzten auch einige Treffer ins Dorf. Schrecklich waren die Nächte. Es war eine Erlösung, als ein Dutzend amerikanischer Panzer am Abend des Karsamstags (31.3.) auf der Höhe des Wingertsberges auffuhr und nach einem unheimlichen Feuerregen über das Dorf hin den Berg herabkam. Sie hatten keine Verteidiger mehr gefunden. Schon am nächsten Tag (es war Ostern, 1. April) zogen sie weiter. So war das Kriegsende über Erwarten schonend vorübergegangen. Einen Monat später, am 2. Mai, wurde zum Dank mit dem Bau der Mariengrotte begonnen.

Am 1. Mai 1945, in der ersten Maiandacht, verkündete Kaplan Schön: „Morgen wollen wir mit dem Bau der Mariengrotte anfangen!“ Am 2. Mai, nachmittags um 2 Uhr, war eine große Menschenmenge am Platz versammelt, die der Kaplan segnete. An der Felsenwand in der Höhe wurde ein Kreuz angebracht. Dann begann die Arbeit. Welch eine Mühe es machen sollte, konnte am Anfang noch niemand wissen. Der Platz liegt eine Viertelstunde vom Dorf entfernt im Nässlichgrund (im Wiesental), durch den zwischen ansteigenden Wäldern ein Bächlein durchfließt. Zwanzig Jahre vorher waren hier die Steine, Glimmerschiefer, für den Kirchbau gebrochen worden, planlos, den ergiebigen Adern nach. Ein trostloser Trümmerhaufen war es geworden bis zur Höhe hinauf. Der musste geordnet und planiert werden. Nun trafen Schippen und Schiebkarren, Spitzhacken und Brecheisen in Tätigkeit. Vom Weg am Wiesengrund bis hinauf zur Höhe, zum jetzigen Podest des Altares, ist ein Höhenunterschied von mehr als 10 Metern. Es konnten nur Terrassen angelegt werden. Bald setzte eine sommerliche Hitze ein und hielt lange an. Die Sonne flimmerte im Gestein. Der Schweiß floss in Strömen. Aber keinen Nachmittag fehlte es an Helfern und Helferinnen, zu denen auch immer mehr neue Horbacher kamen, die aus ihrer östlichen Heimat vertrieben waren. Den Frauen und Mädchen gebührt ein besonderes Lob. Die Männer waren ja noch draußen, manche noch jahrelang in der Gefangenschaft. Da wurden Freuden und Sorgen über Ausbleiben und überraschende Heimkehr unserer Soldaten miteinander geteilt.

Freiwillige Arbeiter an der Mariengrotte

Am Abend zogen die jungen Leute den Waldweg durch die Lärchen heimwärts und ließen wieder die alten schönen Lieder aufklingen, die in den vergangenen freudlosen Jahren dahingestorben waren. Eine seltsam frohe Zeit, trotz aller Entbehrungen in neuer Freiheit. Der Sommer 1945 ist für alle Beteiligten unvergesslich geworden. Doch die Arbeiten, mit längeren Pausen, sollten sich noch lange hinziehen. Sprengpulver war uns durch die Besatzung verboten. (Zur selben Zeit wurden die Bunker mit Zentnern von Dynamit gesprengt!) Die schwersten Felsen mussten durch Meißel und Brecheisen gelöst werden. Keine Handvoll Zement war aufzutreiben. Aber immer noch zogen einige Zwangsarbeiter unverdrossen hinaus, noch jahrelang. Erst 1948 lichtete sich der Nebel. Im Juni wurde die Zwangsbewirtschaftung aufgehoben und die DM eingeführt. Auf einen Schlag gab es wieder alles. Nun konnten in dem unregelmäßigen Gestein die Nische für die Marienstatue und die Wölbung des Altarraumes ausgemauert werden. Ein junger Künstler aus Fulda, Alfons Ständer, meißelte aus hellgrauem Sandstein die jungfräuliche Mutter Maria und das Mädchen Bernadette in kniender Stellung. Das Geschehen von Lourdes sollte in freier Gestaltung wiedergegeben werden. Der Künstler hat den entscheidenden Augenblick hervorragend getroffen, wie die Immakulata sich dem fragenden Kind zu erkennen gibt. Maria in ihrer Lieblichkeit nimmt mit erhobenen Augen den aufmerksamen Beschauer mit über diese nüchterne, weltlich gesinnte Zeit in ein Reich der Schönheit und Freude. In der knienden Bernadette erleben wir das Staunen und die glaubende Hingabe bei ihrer Begnadung mit. Eine leichte Tönung, die Kirchenmaler Schiffhauer, Fulda-Petersberg, den Bildnissen gab, lässt sie noch lebendiger wirken. So war nach vier Jahren das Werk in der Hauptsache vollbracht.
Am 14. August 1949, der Vortag des marianischen Hochfestes von der leiblichen Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel, war der ersehnte Tag der Weihe. Es war ein Sonntagnachmittag mit strahlendem Sommerwetter. Zum ersten Mal zog eine lange Prozession betend, singend und musizierend, dass es von den waldigen Höhen des Wiesengrundes hin widerhallte, hinaus in den Nässlichgrund. In einer erhebenden Marienfeier weihte der frühere Kaplan Aloys Schön, inzwischen Pfarrer von Wüstensachsen in der Rhön geworden, die Grotte. Oblatenpater Anton Biba hielt vor einer vieltausendköpfigen Menge die Weihepredigt. Er hatte als gebürtiger Horbacher mit ganzem Herzen die Arbeiten verfolgt und manche Anregung gegeben. Den nächsten Platz beim Heiligtum nahmen die aus Horbach stammenden Ordensschwestern ein, sie waren in großer Zahl gekommen. Aus dem ganzen Freigericht und dem nahen Bayern füllten viele Andächtige die Terrassen und die Wiesen bis zum Waldrand hinüber. Bei der einzigartigen Akustik der Grotte konnten sie jedes Wort verstehen.

Gruppenfoto an der Mariengrotte

Am nächsten Tag, dem Marienfeste selbst, war am Altar unter dem Gewölbe das erste Hochamt, gehalten von drei Horbacher Priestern: Oblatenpater Anton Biba, Franziskanerpater Sebastian Krebs und Studienrat Karl Biba. Seitdem haben wir, Einheimische wie Wallfahrer von nah und fern, manche feierliche Stunde an der Grotte erlebt. Auch im Jahr danach, 1950, als Horbach sein 1100jähriges Jubiläum feierte, war der Festgottesdienst an der Grotte. P. Sebastian Krebs hielt die Festpredigt. Wer aber zählt die vielen stillen Beter, die bei der Mutter Frieden, Trost und Hilfe suchen! Als sich die Arbeiten an der Grotte solange hinzogen, haben manche gemeint, dass die Grotte wird nie fertig werde. In einem anderen Sinn ist das freilich wahr. Heute sieht niemand mehr, wie mühselig die Anpflanzung auf dem kahlen Felsen und Geröll gewesen ist. Bald wurden auch statt der Knüppelstege Treppen aus Stein gebaut, die Sakristei errichtet und, weil in einer Lourdesgrotte die Quelle nicht fehlen darf, durch eine Leitung das Quellwasser nahe dem Ruhbörnchen herbeigeholt.
Das öffentliche Untersuchungsamt Hanau hatte an dem Wasser nichts zu beanstanden und hat es als außerordentlich weich gefunden, ohne Kalk und Eisen. Über dem Sammelbecken der Quellen wurde ein festes Brunnenhäuschen gebaut und innen ausgekachelt. Auch das Plätscherbecken in der Grotte selbst musste allmählich seine jetzige Form finden. Jeder Besucher, der die Terrassen hinaufsteigt, ist erstaunt über die Weiträumigkeit, die man von unten nicht vermutet. Mehr noch ist er davon angetan, wie sich alles in die Natur und Landschaft einfügt, gewiss mit ständiger Pflege, aber ohne künstliche Zutaten. Bei den Arbeiten, die immer einmal wieder fällig sind, hat es nie an Helfern gefehlt. Aller Wohltäter der Grotte, der lebenden wie schon verstorbenen, wird beim Festgottesdienst im August besonders gedacht.
So ist die Grotte zu einem Ort geworden, der zur stillen Besinnung einlädt, und es ist, wie wenn im Herzen jeden Beters die Worte des Festpredigers bei der Weihe ihren Nachhall fänden: „Sei uns gegrüßt, ‚Unsere Liebe Frau vom Wiesental‘! Auch wenn von uns niemand mehr bei Dir ist, wenn die Klänge und Lieder der Wallfahrer verhallt sind, so sollen die Blumen auf den Wiesen Dich grüßen, soll das Bächlein drunten einstimmen in das rauschende Loblied der Tannen, und das Wild des Waldes soll Dir Gesellschaft leisten - bis wieder ein gequältes Herz bei Dir Hilfe sucht und so manch eiliger Fahrer drüben auf der bayerischen Straße aus dem Wagen steigt, um Dich hier zu schauen und mit einem guten Gedanken weiterzufahren in die Welt! O Mutter, sei uns, bleib uns gut!“

Weihegebet an die Muttergottes

14. August 1949  
 
 
 
 
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Heilige Jungfrau, gütige Mutter, wir weihen Dir diese Stätte des Gebetes. Nimm, wir bitten Dich, alle, die hierher zu Dir ihre Zuflucht nehmen, mit verstehendem Mutterherzen auf. Lass Deine barmherzigen Augen auf uns ruhen, wenn wir vertrauensvoll zu Dir kommen in schwerem Leid. Bring unsere Bitten hinauf zu Deinem göttlichen Sohn und erflehe uns Trost und Kraft, Du Trösterin der Betrübten, Du Hilfe der Christen! Lehre uns, Du demütige und gehorsame Magd Gottes, den anbetungswürdigen Willen Gottes über alles zu suchen und zu lieben, dass wir, durch herzliche Reue von unseren Sünden befreit, mit freudiger Bereitschaft Gott dienen wie Du.

Aus der Kraft Deines Vertrauens und der Stärke Deines Glaubens hast Du den Dienern in Kana gesagt: „Alles, was Er euch sagen wird, das tuet!“ Steh’ uns bei, dass wir diesen Deinen Herzenswunsch erfüllen. Hilf uns, mit willigem Herzen das Wort Gottes zu hören, dass auch unser Glaube unüberwindlich, unsere Hoffnung unerschütterlich und unsere Liebe treu sei bis ans Ende.

So weihen wir uns heute Dir in froher Bereitschaft und schenken Dir unser ganzes Vertrauen. Bei Dir sind wir geborgen in jeglicher Not. Beschütze uns und führe uns, Deine Kinder, durch den Kampf des Lebens, bis wir mit Dir im Himmel den dreieinigen Gott loben und preisen in ewiger Freude und Seligkeit. Amen.

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